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Gewaltfreie Kommunikation-Rückblick

Rückblick auf zehn Vortragsabende zum Thema Gewaltfreie Kommunikation im Vaihinger Bürger-Treff von der Methode zur Haltung

Ende November endete die erste Vortragsreihe zum Thema Gewaltfreie Kommunikation im Vaihinger Bürger-Treff. An insgesamt zehn Abenden stellte die Kommunikationswissenschaftlerin Ulla Burger aus Ensingen Marshall B. Rosenbergs Konzept zum friedlichen Miteinander vor.

Der 1934 in den USA geborene Rosenberg beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit der Frage, wieso manche Menschen in Konfliktsituationen ruhig und gelassen bleiben, während andere verletzend und aggressiv reagieren.


Auf der Suche nach Antworten studierte er zunächst Psychologie und wurde Therapeut. Im Laufe der Jahre wurde ihm klar, dass fast alle Menschen unter demselben Mangel leiden: Dem Mangel an Wertschätzung, dem Mangel an Aufmerksamkeit, dem Mangel, gehört zu werden, kurz, dem Mangel an Empathie. Rosenberg sah darin nicht ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem und suchte nach Lösungen, dieses wirkungsvoll und nachhaltig anzugehen. Das Ergebnis war seine in den 70er Jahren entwickelte Methode der gewaltfreien Kommunikation (GfK), die er in den folgenden drei Jahrzehnten auf der ganzen Welt lehrte, seit Mitte der 1980er Jahre auch in Deutschland. Da der eher in Bezug auf körperliche Verletzungen genutzte Begriff gewaltfrei immer wieder zu Missverständnissen und Irritationen führt, wird er auch mit einfühlsam selbst-bewusst oder verbindend übersetzt. 

  Ulla Burger erläutert die Methode hinter den vier Schritten Rosenbergs.

Im Zentrum der gewaltfreien Kommunikation stehen die Empathie und die Bedürfnisse. Letztere sind einer Untersuchung des chilenischen Wissenschaftlers Manfred Max-Neef zufolge weltweit bei allen Menschen dieselben: Neben Nahrung, Schlaf und Schutz sind es Nähe, Verständnis, Wertschätzung, Wachstum, Autonomie und Lebendigkeit. Sind die Grundbedürfnisse ganz oder teilweise nicht erfüllt, entsteht Gewalt, sei es in privaten Beziehungen, Gruppen oder zwischen Völkern und Staaten. Ziel der gewaltfreien Kommunikation ist es, mit Hilfe des einfühlsamen Zuhörens die Bedürfnisse herauszufinden, deren Mangel einen Menschen wütend und ausfallend reagieren lassen und nach Wegen zu suchen, wie er oder sie sich diese Bedürfnisse auf friedliche Weise erfüllen kann.

Jemanden, der brüllt und schreit, einfühlsam zuzuhören, ist nicht leicht und setzt Selbst-Empathie voraus. Ohne sie ist gewaltfreie Kommunikation nicht möglich. In der Sprache des Herzens , wie die GfK auch genannt wird, gibt es keine Gewinner und keine Verlierer, kein richtig oder falsch, keine Urteile und Bewertungen. Stattdessen führen Verständnis, Ehrlichkeit und Konsens auch bei noch so gegensätzlichen Einstellungen zu einem friedlichen Miteinander.

Um dieses friedliche Miteinander in die Welt zu bringen, entwickelte Rosenberg die vier Schritte von

·       Beobachtung

·       Gefühl

·       Bedürfnis

·       Bitte

So einfach diese vier Schritte sich anhören und es auch sind: Leicht ist die gewaltfreie Kommunikation nicht. Sie erfordert gehöriges Umdenken und fühlen. Von der Methode zur Haltung ist das Ziel der GfK, dessen Umsetzung Zeit braucht. Und Praxis. Deshalb wird es ab Januar 2018 eine GfK-Übungsgruppe im Bürger-Treff geben. Die ersten Treffen finden am Dienstag, 16.1.2018 und 6.2.2018 statt. Die Gruppe ist geschlossen, teilnehmen können nur Interessenten mit fortgeschrittenen Kenntnissen in der gewaltfreien Kommunikation.

 

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