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Gründung - Gebäude


Gründung des Bürger-Treff Vaihingen
 
Die ersten Vorläufer des Vaihinger Bürger-Treffs gehen zurück auf das Jahr 1988. Im Mai dieses Jahres lud die damalige Leiterin der Familienbildung Frau Fischer einige Frauen aus dem Bereich der offenen Altenhilfe ein, um darüber zu diskutieren, wie man die zunehmend jüngeren Alten besser am Gemeinleben beteiligen könnte. Aus diesem Treffen entstand der Arbeitskreis das "Neue Alter" (Bild).

Als ersten Schritt richtete man ein Kontakttelefon im Andreaehaus ein, um zu erfahren, welche Vorstellungen die Zielgruppe über gemeinsame Aktivitäten hat. Gleichzeitig wurden erste Fortbildungskurse besucht. 
 
Im März 1992 wurde das Kontakt Café gestartet. Hier konnte man sich einmal im Monat bei Kaffee und Kuchen zwanglos treffen und neue Kontakte knüpfen. Das Angebot wurde sehr gut aufgenommen und mit bis zu 100 Besuchern mussten bald neue Räume gesucht werden, die man im Löwensaal fand. Noch im gleichen Jahr wurde im Herbst auch der Spaziertreff initiiert, der im zweiwöchigen Wechsel mit dem Kontakt Café stattfand.
Bei einer Weiterbildungsveranstaltung 1995 konnte ein Arbeitskreis aufgrund der gewonnenen Erfahrungen ein Konzept erarbeiten, wie ein Treffpunkt für ältere Menschen aussehen müsse. Mit diesen Vorschlägen in der Hand ging die Gruppe auf die Stadtverwaltung zu, mit der Bitte um Unterstützung.
Stadtrat und Verwaltung hatten die ersten Schritte der Gruppe Das neue Alter schon einige Zeit beobachtet bevor man selbst aktiv wurde. Zunächst stellte die Stadtverwaltung klar, dass man nicht selbst Träger eines Treffpunktes für ältere Menschen in der Stadt werden wolle. 
Das Projekt erhielt jedoch bald ungeahnten Aufschwung: 1996 konnte die Stadt zwei denkmalgeschützte aber stark sanierungsbedürftige Gebäude (Grabenstrasse 18 und 20) kaufen.
 
 
                                      
 
 
Bild von 1997 mit Blick vom
"Höfle" aus. 
  
 
 
 

Die Stadt plante, die erworbenen Gebäude von Grund auf zu sanieren und die Räume dann Vereinen zum Innenausbau zu überlassen. Die Vereine sollten später als Mieter die Unterhaltskosten der Gebäude selbst tragen. Über eine Ausschreibung in der Tageszeitung wurden aktive, handwerklich erfahrene Senioren gesucht, die den Innenausbau selbst in die Hand nehmen.
Diese fanden sich und zeigten großes persönliches Engagement. Als erste schwere Aufgabe musste das heruntergewirtschaftete Gebäude von verbliebenem Schutt und Abfällen befreit werden. Es folgten die Grundsanierung durch Firmen und dann der Innenausbau in Eigenregie. Die Buchführung zeigt letzten Endes mehr als 3000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden der Senioren.

Parallel zu den Ausbauaktivitäten ergriff im Juli 1997 die Stadtverwaltung die Initiative zur Gründung eines neuen Vereins. Der Oberbürgermeister, Heinz Kälberer, rief für den 24. Juli 1997 eine Gruppe bereits existierender Vereine, den Arbeitskreis das "Neue Alter" und andere Interessierte zu einer ersten Sitzung zusammen.
 
Bild: OB Heinz Kälberer und Stefan Faltum erklären
Verkehrsminister Wissmann unser Projekt

Es wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Stefan Faltum mit der Vorbereitung einer Vereinsgründung zu beauftragen. In den folgenden Monaten wurden eine Satzung ausgearbeitet, Vereinsziele beschrieben und ein Name ausgewählt.

Mit einer Information an alle Haushalte in Vaihingen und einer Bekanntmachung im Amtsblatt wurde im März 1998 zur Gründungs-versammlung des neuen Vereins Bürger-Treff Vaihingen an der Enz e. V. eingeladen.
 
Und das Konzept überzeugte. In der Gründungsversammlung traten am 28. März 1998 111 Mitglieder dem neuen Verein bei. Ein Vorstand wurde gewählt. Die Arbeit konnte beginnen. In den Folgemonaten wurden erste Ideen geboren und verschiedene Gruppen vorbereitet. Ziel: Wenn immer jemand sein Wissen an andere weitergeben will und sich bereit erklärt, eine entsprechende Gruppe zu leiten, dann bekommt er vom Vorstand Grünes Licht und kann den Start der Gruppe vorbereiten.
 
Bekanntmachung der Aktivitäten erfolgte im Amtsblatt der Stadt Vaihingen. Im Juni 1998 wurden die Gebäude Grabenstraße 18 und 20 in einer Feierstunde offiziell den Vereinen zur Nutzung übergeben. Seit diesem Datum ist der Bürger-Treff Vaihingen an der Enz ein Ort der Begegnung für junge und ältere Menschen.
 
 
Lothar Knapp 

Gebäude - Hinweise aus dem Stadtarchiv
 
Das Gebäude Grabenstraße 20 hat zwei Gesichter. Das eine schaut heute mit behäbiger Fassade in die Grabenstraße und lädt die Besucher in den Bürger-Treff ein.
Wem der Treppenaufstieg nicht möglich oder zu mühselig ist, kann den angebauten Außenaufzug benützen, der ihn direkt ins Zentrum des Hauses mit den Büro- und Veranstaltungsräumen führt.
      
Zwischen diesen beiden Bildern liegen einige Jahre, viel Schweiß,
nicht wenig Geld und vor allem der Mut und das riesige Engagement
der Gründungsmitglieder des Bürger-Treff Vaihingen an der Enz

Früher gab es dieses Gesicht nicht. Das Haus stieß mit der Rückseite direkt an die Stadtmauer, deren Wehrgang etwa auf  Höhe der heutigen Loggia verlief; davor lag der Stadtgraben, dem die Grabenstraße ihren Namen verdankt. 
Das andere Gesicht des altehrwürdigen Gebäudes wendet sich nach Süden und blickt  in die Keltergasse - die Schauseite. Sie ist noch im oberen Giebelbereich am kunstvollen, symmetrisch gestalteten Fachwerk und der angepassten Fensterreihung abzulesen.
Unten in der Gasse nimmt man auch die imposanten Abmessungen des Hauses wahr, das lange Zeit als Kelter diente. In früheren Jahrhunderten drängten sich entlang der nördlichen Stadtmauer einige mächtige Gebäude mit zugehörigen Höfen.
So schließt sich westlich vom Bürger-Treff noch heute der ehemalige Hof der Geistlichen Verwaltung an, die ihren Sitz in der heutigen Grabenstraße 18 hatte.
Östlich befand sich ein weiterer Hof, der bis zum ehemaligen Amts- und Bindhaus reichte (heute Scheune, Grabenstraße 22), und nachdem man den so genannten Bürgerturm abgebrochen hatte, zu einer Art Rampe aufgefüllt wurde, die heute vor allem Parkplätze bietet.
Im Erdgeschoss des Hauses befand sich die vordere Kelter, die heute das Vereinslokal des Männergesangvereins Vaihingen (MGV) beherbergt; der mächtige Keller unter der Kelter wurde 1618 von Landbaumeister Heinrich Schickhardt geplant.
Nach dem großen Stadtbrand von 1693 erscheint eine Frau von Gemmingen als Eigentümerin des Anwesens Grabenstraße 20. Von 1812 bis 1842 war hier das Vaihinger Dekanat untergebracht.
1832 erwarb die Stadt Vaihingen die unter dem Dekanat befindliche Kelter und die Keltereinrichtung, die sie auch weiterhin behielt, als der Rest des Anwesens 1842 an Johannes Fliehmann verkauft wurde. Fliehmann eröffnete hier die Waldhornwirtschaft.

Über verschiedene Besitzer kam das Gebäude  1902 an Steinhauermeister Karl Ezel, der das gleichnamige Bauunternehmen in Vaihingen begründete.
Von 1904 bis 1919 war die Oberamtssparkasse Vaihingen/Enz im Gebäude Grabenstraße 20 untergebracht.
 
Stadtarchiv Vaihingen an der Enz
Lothar Behr

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