Die Städtewandergruppe des Bürgertreffs Vaihingen startete am 3. Sonntag des Jahres in die neue Saison, wie immer zusammen mit der Ortsgruppe Enzweihingen des Schwäbischen Albvereins.
Als die Städtewanderer 2014 Karlsruhe als Wanderziel hatten, standen die Bauwerke der Stadt im Mittelpunkt, deshalb wurde es diesmal „Grün“. Volker König hatte einen Plan ausgearbeitet, der die Gelegenheit bot, die wichtigsten stadtnahen Grünflächen und Parks im Rahmen einer 10 Kilometer langen Wanderung kennenzulernen. Wie immer wurde das Wanderziel mit dem Zug vom Bahnhof Vaihingen aus angefahren, alle benutzen Züge waren super pünktlich. Als erstes Ziel der 27 -köpfigen Wandergruppe wurde der dem Hauptbahnhof gegenüberliegende Zoologische Stadtgarten besucht. Hier sind auf einer Fläche von rund 22 Hektar etwa 6.800 Tiere in einem weitläufigen Areal tiergerecht untergebracht. Der Stadtgarten wurde 1865 eröffnet und ist damit eine der ältesten Anlagen in Deutschland und steht heute für einen gelebten Artenschutz. Er beteiligt sich an zahlreichen internationalen Erhaltungszuchtprogrammen für Pflanzen und bedrohte Tierarten.
Zur Überbrückung der großen Entfernung zwischen dem Zoologischen Stadtgarten und dem nächsten Wanderziel, dem „Alten Friedhof“, benutzte die Gruppe eine Straßenbahn. Die 1715 gegründete Stadt musste bereits 1781 einen neuen Friedhof anlegen, der heutige „Alte“. Bereits 1882 war die Kapazität erschöpft und der Friedhof wurde aufgegeben. Auch der angrenzende alte jüdische Friedhof mit der Grabstätte des Oberlandesrabbiners Nathan Weil, wird nicht mehr genutzt. Die ehemalige Friedhofsanlage dient heute als wichtiges Naherholungszentrum.
Vorbei an dem Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, führte der Weg zur Grabkapelle der Großherzöge von Baden. Am Rande des Hartwaldes wurde 1888 die Grablege der Badischen Dynastie eröffnet und alle vorher verstorbenen Angehörigen hierher umgebettet. Die letzte Grablege fand 1952 statt. Im Anschluss daran wanderte die Gruppe am Wildparkstation vorbei zum 1715 angelegten Wild- und Fasanengarten. Gegen 1765 wurde dort anstelle des Jagdhäuschens ein Schlösschen zusammen mit zwei Pavillons im chinesischen Stil errichtet. Der Garten wurde 10 Jahre später zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Weiter führte die Wanderung zum Karlsruher Schloss, dem Schlossgarten und dem Bundesgerichtshof. Zusammen mit der Gründung der Stadt im Jahr 1715 wurde auch mit dem Bau des Schlosses begonnen und dieses ab 1749 wieder umgebaut. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss 1785. Im November 1944 wurde das Schloss komplett zerstört und nach dem Krieg als Museum wieder aufgebaut. Anders als in anderen Schlössern wurden die Innenräume nicht wieder originalgetreu hergestellt, sondern so gestaltet, dass das Badische Landesmuseum die Räumlichkeiten optimal nutzen konnte. Direkt hinter dem Schloss schließt sich der Schlossgarten an. Heute ein beliebtes Naherholungsgebiet, das auch regelmäßig für Veranstaltungen genutzt wird. Interessant ist, dass der Park hinter dem Schloss liegt und nicht wie „üblich“ vor dem Schloss. Der Schlossgarten ist der Beginn eines etwa 15 Kilometer langen Park- und Landschaftsschutzgebietes, das mit einer Kleinspurbahn befahren werden kann. Zwischen dem Schloss und den Gebäuden des BGH liegt der Botanische Garten Karlsruhes mit seinen Gewächshäusern, der Kunsthalle, der Orangerie und dem Wintergarten. Der Bau der Anlage geht auf Markgraf Karl Wilhelm zurück, der sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts einen hochfürstlichen Lustgarten anlegen lies. Die Pflanzenhäuser mit imposanten Eisenkonstruktionen werden heute noch genutzt. Vom Botanischen Garten aus wanderte die Gruppe zum Engländer Platz, einer Freifläche in der Nähe der Uni-Mensa und der Jugendherberge. Der Name des Parks geht auf den Beginn der Fußballgeschichte in Deutschland zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in England bereits Fußball gespielt und der badischen Fußballpionier Walter Besenmann war davon so begeistert, dass er dieses „englische“ Spiel auch in Baden einführte, daher „Engländer Platz“. Hier fand 1899 auch das erste Länderspiel gegen England statt, das allerdings mit 0:7 verloren ging. Davor war die große Fläche der Übungsplatz für die örtliche Feuerwehr und danach diente die Grünfläche leider auch den Nationalsozialisten für große Aufmärsche. Weiter ging es zum Scheffel-Platz, einem Denkmal für eine der führenden Persönlichkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Deutschland. Der Dichterfürst Joseph Victor von Scheffel (1826-1888) war zu seiner Zeit genauso bekannt wie der Reichskanzler Bismarck, seine Werke, zum Beispiel der „Trompeter von Säckingen“ oder „Eckehard“, erzielten Rekordumsätze und brachten ihm ein Vermögen ein. Der von der Literarischen Gesellschaft vergebene und hochbegehrte „Scheffel-Preis“ für beste Abiturarbeiten in Deutsch geht auf eine Stiftung der Familie Scheffel zurück, die Jahrzehnte lang im Schloss in Nussdorf ansässig war. Vom Scheffel-Denkmal aus ging es zum Kaiserplatz, einem Monument mitten in einer umtosten Verkehrsinsel. Das Herzogtum Baden hat hier 1889 dem verstorbenen Kaiser Wilhelm I. ein Reiterstandbild zum Dank für seine Hilfe bei der Niederschlagung der Revolution 1848 und zur Ehre der Kaiserkrönung 1871 in Versailles erstellt. Nach dem Kaiserplatz wanderte die Gruppe zur Nottingham-Anlage, einer Grünanlage gegenüber dem West-Rathaus der Stadt. Die Anlage wurde 1987 mit insgesamt 4 Springbrunnen über einem Parkhaus errichtet und nach der englischen Partnerstadt Nottingham benannt. Das ganz besondere an diesem Park und dem angrenzenden Geschäftshaus ist die Tiefgarage. Sie wurde so gebaut, dass im „Ernstfall“ für 3.100 Karlsruher/innen ein Zivil-Schutzplatz zur Verfügung steht. Leider wurde die Pflege des Bunkers 2007 aufgegeben.
Mit der Straßenbahn ging es dann zum Schlusspunkt, dem neugestalteten Marktplatz. Die große verkehrsfreie Fläche mit der Pyramide und der Blickachse zum Schloss entstand in den Jahren 2016 bis 2022. Bis dahin war der 1820 fertiggestellte Marktplatz der oberirdische Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Als 1816 die evangelische Stadtkirche gebaut wurde, musste die bestehende Konkordienkirche abgerissen und das Grabmal des Markgrafen verlegt werden. Die neue Grabstätte ist die in der Mitte des Platzes stehende Pyramide, als eine Erinnerung an den Stadtgründer. Zum Abschluss des Wandertages wurde in der Gaststätte „Wilma-Wunder“ noch ausgiebig Rast gemacht und danach die Heimfahrt mit der Bahn angetreten.